Schwarze Löcher der Zivilluftfahrt

Schaut man sich die Karte von Flightradar24 an, erkennt man ein paar „Schwarze Löcher“ – Orte, an denen keine zivilen Flugzeuge fliegen. Ein solcher Ort befindet sich in Europa, zwei in Asien und ein weiterer in Afrika.

In Europa fliegen zivile Flugzeuge nicht über die Ukraine und Teile Russlands. Grund dafür ist die russische Invasion in der Ukraine, die am 24. Februar 2022 begann.

Allerdings war der Flugverkehr über der Ukraine bis zu diesem Zeitpunkt deutlich geringer als im Jahr 2013. Die Regionen Donezk und Luhansk waren für zivile Flüge vollständig gesperrt, nachdem 2014 eine Boeing 777 der Malaysia Airlines am Himmel über der Region Donezk abgeschossen wurde.

Die russische Invasion in der Ukraine hat ein zweites schwarzes Loch für Flugzeuge auf der Karte geschaffen – im Osten Russlands. Hier gibt es dünn besiedelte Gebiete und der Hauptverkehr in dieser Region wurde durch Transitflüge ausländischer Fluggesellschaften sichergestellt.

Gegenseitige Sanktionen zwischen Russland und dem Westen haben dazu geführt, dass ausländische Luftfahrtunternehmen Sibirien nun über den Nordpol oder Zentralasien umfliegen.

Aus geografischen Gründen wird Tibet in Asien nicht von Flugzeugen überflogen. Wie Flightradar24 feststellt, muss das Flugzeug im Falle eines Druckverlusts in der Kabine auf eine Höhe von weniger als 10.000 Fuß (3.000 Meter) absinken. In dieser Höhe können Passagiere im Flugzeug ohne Sauerstoffmasken atmen.

Das Problem mit Tibet besteht darin, dass ein großes Gebiet auf einer Höhe von mehr als 10.000 Fuß liegt, was bedeutet, dass Flugzeuge bei Bedarf nicht auf die erforderliche Höhe absinken können und daher gezwungen sind, diese Bereiche zu umfliegen.

In Afrika fliegen kaum Flugzeuge über den Sudan. Im April 2023 begann hier eine Konfrontation zwischen Spezialeinheiten und der örtlichen Armee. Dabei brannten mehrere auf dem Hauptstadtflughafen Khartum geparkte Passagierflugzeuge, darunter SkyUp- und Saudia-Flugzeuge, vollständig nieder. Als Vorsichtsmaßnahme begannen Fluggesellschaften, das Konfliktgebiet zu überfliegen.

No-FIR-Zonen

Neben den geografisch und politisch bestimmten Schwarzen Löchern gibt es noch zwei weitere technische Schwarze Löcher. No FIR bedeutet „No Flight Information Region“, eine Zone, in der es keine Fluginformationen gibt, weil man keine Möglichkeit hat, mit einer Bezirkskontrolle zu kommunizieren. Die Zuständigkeit in diesen Zonen wurde nie festgelegt, sie waren bei der Bestimmung nicht relevant.

Die Unterteilung der FIR „Flight Information Region“ wurde durch die Luftfahrtorganisation ICAO festgelegt, hierbei sind jedoch zwei unbestimmte Zonen entstanden, eine liegt über dem Ostpazifik, sie erstreckt sich von der Küste vor Peru bis nach Französisch-Polynesien, die zweite No-FIR liegt zwischen Norwegen und Russland bzw. vom Nordpol bis Spitzbergen und ist ein Ergebnis des Kalten Krieges.

Gebiete ohne Relevanz (für die ICAO)

Man dachte bei der Festlegung der Regionen noch nicht daran, dass es irgendwann soweit sein würde, dass die Regionen von Flugzeugen durchflogen werden. Die Festlegung der Zonen fand zu der Zeit statt, als Flugzeuge noch nicht weiter als 60 Minuten vom nächsten Festland flogen. Der nächste Ausweichflughafen musste also in einer Stunde erreichbar sein, heute können die Flugzeuge 6 Stunden von einem möglichen Ausweichflughafen entfernt fliegen. Dies liegt an der Zuverlässigkeit der Systeme und leistungsstarken Triebwerke.

Es gibt allerdings Bestrebungen die No-FIR im Ostpazifik in die umliegenden FIR-Zonen einzugliedern, bis der Prozess allerdings abgeschlossen ist, müssen sich die Crews an festgelegte Regeln halten.

Regeln der No-FIR-Zonen

Die Crews sollen sogenannte TIBA-Verfahren nutzen. Das steht für Traffic Information Broadcasts by Aircraft und bezeichnet die Sendung von Verkehrsinformationen an Flugzeuge in der Nähe auf einer ausgewiesenen UKW-Funkfrequenz. Die Icao empfiehlt die Funkfrequenzen 123,45 und 121,5 Megahertz, genannt Chat und Guard. Das Prinzip: «Hören und gehört werden.» Auch Sehen hilft: Alle Antikollisions- und Navigationslichter des Flugzeuges sollen eingeschaltet sein, um Unglücke zu vermeiden.

Die Flugzeuge sollen weiterhin Transpondercodes aussenden und Kollisionswarnsystem TCAS (Traffic Alert and Collision Avoidance System) nutzen. Die Icao empfiehlt, leicht rechts versetzt von den Routen zu fliegen. Bei der Höhe sollen Crews Richtung Westen gerade Flugflächen wählen, Richtung Osten ungerade – von Wechseln wird abgeraten.

Spätestens zehn Minuten vor Verlassen des «No FIR»-Luftraums sollen Crews sich bei der Flugsicherung des Fluginformationsgebiets melden, in das sie bald hineinfliegen werden.

Bildquelle Titelbild: FlightRadar24

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