/*

Mit dem Zug nach Khashuri

*/

Donnerstag, 5. März 2020

Nach der üblichen Morgenroutine packte ich meinen Koffer und stopfte noch die Winterjacke hinein, bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof machte. Gegen zwanzig vor zwölf kam ich dort an.  

wieder ein sehr reichhaltiges Frühstück

Ein modernes Gebäude, unten ein paar Shops und ein Fitnessstudio, oben eine Wartehalle und Ticketschalter. Ich informierte mich noch bzgl. des Tickets, das Onlineticket brauchte keinen Tausch. „electronic ticket, sir, no problem“. 

der moderne Schein trügt

Fünf Minuten später wurde bereits der Zug nach Tbilisi ausgerufen. Ich dachte mir zunächst, wann kommt der denn an, aber nein, es war ein einzelner Wagen und eine in die Jahre gekommene E-Lok. Nicht alle Züge sind online buchbar, Tickets kann man in der Regel bis 5 Minuten vor Abfahrt kaufen. Es ging über das vordere Gleis zum Zug, hier wurden nochmal die Tickets und Ausweise kontrolliert, die Sitze werden bei Buchung zugewiesen. Ich zog somit einen Fensterplatz im ersten Abteil. 

Kurswagen Kutaisi – wird in Rioni an den Fernzug angehängt

Dieser Wagen hat ausschließlich 6er Abteile bzw. vier Pritschen. Es werden scheinbar auch nur vier Sitze pro Abteil vergeben, die fünfte Person wurde vom Schaffner umgesetzt. Der Wagen ist nicht ausgebucht, so geht es pünktlich um 12:15 Richtung Rioni. Auf einem eingleisigen Abschnitt wackelt der alte Zug langsam vor sich hin. Das kann doch kein „modern“ oder „Highspeed“ sein, wie es in der Anzeige schien. 

Gegen halb sind wir in Rioni. Wir stehen recht lange, ein weiterer Zug kommt auf dem Nachbargleis an, dieser wirkt deutlich neuer. Unsere Lok wird mit einem Rums abgekoppelt, und so stehen wir als verlassener Wagen einige Minuten rum, die Lok fährt nochmal vorbei und wird mit einem weiterem Rums hinten angekoppelt und es geht ein Stück zurück Richtung Kutaisi. An der Weiche müssen wir noch auf den sehr langsamen Güterzug warten und es wird langsam zum anderen Zug geschoben. Mit einem weiteren Ruck wird angekoppelt und so geht es mit dem Schnellzug weiter Richtung Tbilisi. 

Wir nehmen Fahrt auf. Die Strecke ist zugewachsen, sodass man erstmal nichts von der Landschaft mitbekommt. Unterwegs wird einem Mädel scheinbar kalt und macht die Fenster auf dem Gang zu. Unbeliebt hat sie sich damit bei den Mitreisenden gemacht, fünf Minuten später sind die Fenster wieder auf. Nächstes Mal lieber den Pulli anziehen…Denn eine Klimaanlage oder andere Belüftung gibt es nicht. 

Nach etwas mehr als der Hälfte kann ich nicht mehr sitzen, die Sonne blendet auch. Also stelle ich mich in den Gang und lehne mich ans Fenster auf der anderen Wagenseite und genieße die vorbeiziehende Landschaft. 

Immer wieder begleitete ein Fluss die Strecke, hier und da klebten Dörfer an den Bergen und zwischendurch kamen auch weitere Bahnhöfe in Sicht, jedoch nicht jeder mit Stopp. 

Leicht verspätet sind wir dann auch in Khashuri angekommen. Hier findet wohl ein längerer Stopp statt, viele steigen aus, andere werden von den fliegenden Händlerinnen mit Brot überschüttet. 

Am Ausgang wartet die Taximaffia. Zu meiner Unterkunft ist es nicht weit, so laufe ich die Viertelstunde. Das Wetter ist gut, es ist etwas frischer als gestern.

Viele Ausländer werden sich wohl nicht nach Khashuri verirren, denn hier gibt es faktisch nichts zu sehen. Nichts ist nicht richtig, es gibt einen alten Turm und zwei oder drei Kirchen, ansonsten ist eine typische Kleinstadt.

In der Unterkunft werde ich bereits erwartet, ich hatte vor einigen Stunden bereits erfahren, dass die Besitzerin noch den Tag über in Tbilisi zum Übersetzen ist, da ihre Schweizer Aushilfen einen Skiunfall hatten. So bekam ich die Hausführung von ihrer Mutter in Russisch, Georgisch und ein wenig Deutsch. 

Dafür, dass ich mich auf russisch bedankte, bekam ich noch Wasser für den Tee gebracht. Sehr freundlich. 

Zum Abendessen gab es Chili con Carne mit gebratenen Kartoffelhälften und einem Salat. Dazu wurde leckerer Rotwein gereicht und als Nachtisch gab’s noch einen Schokokuchen. 

Ich hatte noch eine ganz nette Unterhaltung mit dem Briten, der hier am „Europa-Autobahn-Projekt“ arbeitet und einem Deutschen Radler, der auf dem Weg nach Kasachstan war.